Diskussion um Werbeanzeigen von Firmen auf dem ehemaligen Topf & Söhne Gelände

Die Bäckerei und das Gartencenter lösten mit ihren Werbeanzeigen, auf denen zu lesen war „ofenfrische Brötchen“ oder „Alles für die Grabgestaltung“ in Zusammenhang mit dem Hinweis „auf dem ehemaligen Topf & Söhne Gelände“ oder „ehemals Topf & Söhne“, einen kleinen Skandal aus. In einem offenen Brief erklärten Prominente aus Linkspartei, Gewerkschaften und VVN/BdA zusammen mit dem Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora, die Werbung sei nicht nur pietätlos, sondern auch eine Verunglimpfung der Opfer und ihrer Angehörigen. Die Kampagne „Hände hoch – Haus her“ ergänzte mit einer Pressemitteilung, die den unreflektierten und unsensibelen Umgang mit dem Geschichtsgelände kritisierte.
Am Dienstag, den 07.12.2010 fand daraufhin eine öffentliche Diskussion in der besagten Bäckerei statt. Geladen hatte der „Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne e.V.“, gekommen waren außer zwei Pressevertreterinnen, drei Gewerbetreibende vom Gelände, der Eigentümer des Geländes (Junior), die bei der Stadt Erfurt angestellte zukünftige Leiterin des Erinnerungsortes Dr. Annegret Schüle, ein Vertreter vom „Bürgertisch Demokratie“ Erfurt und Vertreter_innen der Kampagne „Hände hoch – Haus her!“, des Bildungskollektivs Biko sowie des DGB und eine Landtagsabgeordnete.

Der Anlass der Diskussion, die Werbeanzeigen und ein anderer, sensiblerer Umgang auf dem historischen Ort nahmen nur einen kleinen Zeitraum ein. Hierzu kann kurz und knapp gesagt werden:
Die Gewerbetreibenden sind bereit, ihre Werbetexte zu ändern und nicht mehr mit dem Namen der Firma Topf & Söhne Werbung zu betreiben.

Rüdiger Bender, Der Vorsitzende des Förderkreises und die zukünftige Leiterin des Erinnerungsortes hingegen waren nicht ein Mal dazu bereit, die Argumente der Kritiker_innen ernst zu nehmen. Neben Abqualifizierungen, wie das sei doch unlogisch und die Werbung sei doch genau das Gegenteil von dem, was hier früher passiert sei, wurde außerdem unterstellt, dass alle die, die Kritik an der Werbung haben, sie nur deshalb haben, weil sie das Besetzte Haus wieder haben wollten. Dem Überlebenden von Buchenwald, der in dem offenen Brief zitiert wurde, seien seine Wort vielleicht nur in den Mund gelegt worden. Nicht ernst genommen zu werden, ist eine Erfahrung, die wir in Bezug auf den Förderkreis leider schon längst machen mussten.
Positiv sieht der Förderkreis die Kontinuität, dass heute wie damals Topf & Söhne eingebettet sei in Handel und Alltag. Dies sei Teil einer „produktiven Irritation“ (was übrigens kein Fachbegriff ist). Bei soviel Kontinuität und Produktivität kann einr/m schon mal das Kotzen kommen…!
Vielleicht ist das alles aber auch nur eine ganz ganz schlechte Strategie, mit der Teile des Förderkreises damit fertig werden, mit dazu beigetragen zu haben, den größten Teil des Geländes platt zu machen, damit natürlich auch das Besetzte Haus! So kann mensch vielleicht auch eher die gebetsmühlenartig vorgetragene Lüge verstehen, ohne den Investor und ohne die Räumung, würde heute kein Erinnerungsort entstehen. Amen!
Die Ausschließlichkeit, mit der der Förderkreis heute den Erinnerungsort gegen die früher selbst geforderten alternativen Formen der Auseinandersetzung auf dem besetzten Teil stellt, resultiert allein daraus, daß sich der Förderkreis der Entscheidung der Stadt – kurz gesagt „Erinnerung nur mit Investor“ – ohne zu mucken untergeordnet hat.